Verkauf und Einsatz des über Jahrzehnte hinweg zugelassenen Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil wurde durch den Bund mit Wirkung ab 01. Januar 2020 verboten. Dies, nachdem das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BVL) im Dezember 2019 alle Abbauprodukte (Metaboliten) des Chlorothalonils als relevant bewertet hat. Für diese Stoffe gilt somit auch der Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser.

Die Hauptabbauprodukte von Chlorothalonil sind die Chlorothalonilsulfatsäure R417888 und das Abbauprodukt R471811. Ersteres steht unter dem Verdacht, Krebs zu erregen, bei letzterem ist dieser Vorbehalt gemäss den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht gegeben.

Birmenstorf deckt seinen Wasserverbrauch aus der Grundwasserfassung Lindmühle (32 %), der Quelfassung Brunnmatt (24 %) und durch Bezug aus dem Versorgungsnetz der Stadt Baden (44 %). Seit 1989 wird das VVasser aus der Lindmühle mit demjenigen von der Stadt Baden in der Mischstation Lindächer gemischt. Diese Massnahme ermöglicht in erster Linie, den Nitratgehalt im Versorgungsnetz Birmenstorf unter dem Toleranzwert zu halten, andererseits aber auch, dank dem vertraglich geregelten VVasserbezugsrecht von Baden, den Spitzenverbrauch im Sommer (auch unter Berücksichtigung der Bewässerung der Gemüsekulturen) abzudecken.

Diese vorhandene Infrastruktur/Vereinbarung hilft nun auch beim Anpacken der neuen Herausforderung «Chlorothalonilsulfatsäure”. Das Mischwasser im Versorgungsnetz liegt mit einer Konzentration von 0,082 Mikrogramm (Oktober 2019) unter dem Höchstwert. Ebenso das Wasser aus der Quellfassung Brunnmatt mit 0,02 Mikrogramm

Im Rahmen der Nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) – die Fassung Lindmühle ist bei diesem Projekt eine von fünf Referenz-Messstationen im Kanton Aargau – wurde für das Abbauprodukt R471811 anhand einer Probe von 2017 bei der Auswertung Ende 201 8 eine Konzentration von 0,6 (Höchstwert 0,1) Mikrogramm gemessen.

Gemäss Information des kantonalen Amtes Für Verbraucherschutz sind, soweit abschätzbar, im Aargau die Mehrheit der Pumpwerke in den Grundwasserleitern entlang der grossen und kleineren Flusstäler von Höchstwertüberschreitungen des Abbauprodukts R471811 betroffen. Dennoch ist Trinkwasser auch in Birmenstorf weiterhin ein sicheres Lebensmittel, das ohne Einschränkung konsumierbar ist. Trotzdem gilt es Anstrengungen zu unternehmen, die Konzentration der Abbauprodukte unter den Höchstwert zu bringen. Das vom Bund ausgesprochene Verbot für Chlorothalonil ist ein erster Schritt. Weitere, wohl langwierigere, sind auch auf kommunaler Ebene erforderlich. Nach wie vor stehen aber keine praktikablen, wirtschaftlich vertretbaren Aufbereitungsverfahren zur Verfügung.